Ermittler Nathan Weiß ist zurück!

Georg Brun – Mord im Sauloch
Nach seinem Ausflug in die Welt der Künstlichen Intelligenz und dem kürzlich veröffentlichen Thriller Algorithmus des Teufels bei Sparkys Edition, kehrt der Münchner Autor Georg Brun zurück zu seinem Mordermittler Nathan Weiß. Marita Sonnenberg hat den Autor interviewt.
Mord im Sauloch ist dessen vierter Fall als pensionierter Kriminalhauptkommissar und früherer Leiter der Mordkommission München. Der Krimi spielt hauptsächlich im Werdenfelser Land, einer Region in Oberbayern rund um Garmisch-Partenkirchen. Grundlage dieser spannenden Geschichte um Mythen, Rache und Intrigen ist ein lang zurückliegender Todesfall, der damals nicht aufgeklärt wurde.
Bereits vor dreißig Jahren habe ich einen historischen Roman veröffentlicht, der sich mit der Hexenverfolgung im Werdenfelser Land in den Jahren zwischen 1589 und 1596 beschäftigt. In meinem neusten Buch greife ich auf diese Zeit zurück. So ist Therese Schorn, das erste Mordopfer, eine Nachfahrin einer damals verurteilten Hexe und steht im Ruf, ebenfalls eine Hexe zu sein. So wie ihre Freundin aus Kindheitstagen Franziska Knilling. Vor diesem Hintergrund bekommt die Vergangenheit eine tiefere Dimension und die Geschichte eine besondere Verbundenheit mit dieser Gegend. Mit ‘Mord im Sauloch‘ wollte ich bewusst einen ‘ländlichen Krimi‘ schreiben. (Georg Brun)
Die Geschichte: Die junge Oberkommissarin Nina Lutz ist neu bei der Kripo Garmisch und muss einen Mord aufklären: in einem Moorloch wurde eine Frauenleiche gefunden. Nina bittet Nathan um Hilfe. Seine Hilfe bringt schlussendlich die Ermittlungen entscheidend voran.
Von der Moorleiche Therese, einer Heilpraktikerin, heißt es, sie sei eine Hexe. Tatsächlich hat sie ein dunkles Geheimnis gehütet, nämlich einen Mord von vor rund 30 Jahren. Ihre früher engste Freundin Franziska war an diesem Mord beteiligt und bekommt es mit der Angst zu tun. Zu Recht, denn später wird auch sie ermordet – in dem gleichen Moorloch, dem sogenannten „Sauloch“.
Es gibt eine Reihe von zunächst Verdächtigen, weil Therese ein ausuferndes Liebesleben hatte. Ein Geliebter aus Jugendtagen, Hubert, mischt sich in die Ermittlungen ein und macht sich zeitweise selbst verdächtig; auch er glaubt an einen Fluch aus der Vergangenheit.
Parallel gibt es mit Thekla eine Versicherungsmaklerin, die Verpächterin eines Pferdehofes ist und Ärger mit dem Pächter hat, aber auch Ärger mit einem Ex-Geliebten, der sie stalkt. Auf zunächst unerklärliche Weise wird der Pächter ermordet und dann auch der Ex-Lover von Thekla.
Nina, mit den Ermittlungen teilweise überfordert, verliebt sich zu allem Überfluss in einen Mann, der zunächst als Zeuge geführt wird, sich später aber als Mörder herausstellt.
Das Finale läuft auf ein ordentliches Fiasko zu. Immerhin werden alle Taten aufgeklärt, aber Nina quittiert den Polizeidienst und zieht nach New York.
Alle Nathan-Werke von Georg Brun sind jetzt bei Sparkys!



Interview Georg Brun
Herr Brun, nach dem Thriller Algorithmus des Teufels nun wieder ein neuer Fall um Nathan Weiß. Was fasziniert sie an diesem pensionierten Kriminalhauptkommissar, dass er immer wieder in den Mittelpunkt Ihrer Krimireihe tritt?
In Teilen ist Nathan Weiß mein “alter ego”, weil er ebenso wenig wie ich nach dem Eintritt in den Ruhestand Ruhe geben kann. Außerdem ist er ein sympathischer Kerl mit ein paar Ecken und Kanten, der Ermittlungen mit seiner Erfahrung bereichert. Mit ihm kann die Leserin und der Leser mitfiebern: schafft er es oder nicht? Er ist ein passender Partner für die junge Kriminalerin Nina Lutz, und auch das ist mir wichtig: dass Frau und Mann, dass jung und alt zusammen arbeiten.
Wie sehr unterscheiden sich die Recherche und die Arbeit an einem Thriller im Vergleich zu einem Krimi?
Ich sehe da in der Erarbeitung des Stoffs keinen Unterschied. Ein Thriller ist meines Erachtens auch ein Kriminalroman, lediglich unterschieden dadurch, dass es im Thriller ein besonderes Bedrohungspotenzial für eine Hauptfigur gibt, mit der man mitzittert. Im “Nicht-Thriller” geht es mehr um so fragen wie: Wer ist der Täter? Wird der Täter gefasst? Wie kam es zur Tat? Wie hängen die Dinge miteinander zusammen?
Sie betonen, dass Sie bewusst einen ländlichen Krimi schreiben wollten? Was ist, außer der Landschaft anders an einem ländlichen Krimi im Gegensatz zu einem urbanen?
Wahrscheinlich bediene ich hier ein wenig ein Klischee, aber auf dem Dorf und in der Kleinstadt kennen sich die Leute. Da gibt es aufgrund der persönlichen Nähe mehr Platz für gegenseitige Animositäten, für Klatsch und Tratsch und – im Werdenfelser Land ist das so – in den Familien lebt mehr Vergangenheit weiter als im großstädtischen Kontext.
In Mord im Sauloch haben Sie eine wahre Begebenheit als Grundlage Ihres Kriminalfalls um Nina Lutz und Nathan Weiß gewählt. Was hat sie dazu bewogen, diese Geschichte bis in die Gegenwart weiterzuerzählen?
In dem Roman steckt mehr Tatsachenmaterial als ich offenlegen kann, und doch ist fast alles erfunden. Tief in der Vergangenheit wirkt der Werdenfelser Hexenprozess aus den Jahren 1589 bis 1596, ein bedrückendes historisches Erbe, das seine Spuren hinterlassen hat. Die damalige Verfolgung unschuldiger Menschen, fast ausschließlich Frauen, hat mich bereits in meiner Assistentenzeit am Lehrstuhl für Rechtsgeschichte bewegt und animiert, darüber einen historischen Roman zu schreiben. Mit 30 Jahren Abstand zu “Fackeln des Teufels” wollte ich das Thema noch einmal aufgreifen und völlig anders gestalten.
Wieviel eigene berufliche Erfahrung aus Ihrer Tätigkeit beim Bayerischen Landeskriminalamt spielt in Ihre Fälle mithinein?
Das ist unterschiedlich, bei “Mord am Sauloch” wenig, bei “Algorithmus des Teufels” viel. Entscheidend scheint mir für mich, dass ich aus eigener Anschauung ein Verständnis für die Polizeiarbeit habe. Ich weiß, es geschehen Fehler, Missgeschicke, Fehlgriffe, weil jeder Polizist nur ein Mensch ist. Mancher Kriminalfall wird durchzogen von Pleiten, Pech und Pannen, und trotzdem gelingen unserer Kripo tolle Aufklärungszahlen.
Wird es einen weiteren Fall für Nathan Weiß geben?
Zur Zeit arbeite ich an Nathans 5. Fall. Wenn die Leserinnen und Leser weiter Freude daran haben, ihn bei seinen Ermittlungen zu begleiten, wird es diesen Fall vermutlich nächstes Jahr als Buch geben.
Herr Brun, vielen Dank für Ihre Antworten und Ihre Zeit.
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