Kunst als Schreibimpuls: Anthologie. Lesung

Das Projekt: Weg von der Deutung, hin zur Geschichte
Die Herausgeber:innen Ines Witka und Joachim Speidel haben das Konzept zunächst in der Schreibpraxis erprobt – allein und in Gruppen – und anschließend mit dem Stuttgarter Autorenstammtisch des Bundesverbands junger Autorinnen und Autoren (BVjA) weitergeführt.
Im Zentrum stand eine klare Arbeitsanweisung: Kunst betrachten, sich anregen und inspirieren lassen – aber sich von kunsthistorischen Überlegungen freimachen. Kunstwerke sollten nicht erklärt, sondern als „Türen“ verstanden werden, die Einblicke in Alltag, Innenwelten, vergangene Zeiten oder magische Räume eröffnen.
Jede Autorin und jeder Autor wählte ein Kunstwerk und ließ sich – frei von Genrevorgaben – auf das ein, was daran persönlich berührte oder faszinierte. Alle Texte sind eigens zu den Werken entstanden und stehen im Buch Seite an Seite mit den jeweiligen Abbildungen. Zugleich laden die Kunstwerke auch das Publikum dazu ein, beim Lesen eigene Geschichten zu entwickeln.
Die Bandbreite der Texte ist entsprechend groß: heiter oder tragisch, historisch, fantastisch, surreal oder kriminalistisch. Entscheidend ist nicht die kunsthistorische Einordnung, sondern die emotionale Resonanz, die ein Originalkunstwerk beim Schreiben auslösen kann. Und so entsteht aus verschiedenen Kunstdisziplinen wieder eine ganz neue Kunst.
Originale als Erfahrung – und Auslöser fürs Schreiben
Die Künstler:innen der ausgewählten Werke werden von der Stuttgarter Galeristin Imke Valentien vertreten. Im Interview beschreibt sie, was sie an der Verbindung von bildender Kunst und Literatur besonders reizt: „Es entsteht eine weitere Dimension.“ Normalerweise gebe es eine Kommunikation zwischen Werk und Betrachter – durch die Texte komme nun eine dritte Ebene hinzu.
Besonders prägend war dabei die Nähe zum Original: Einige Autor:innen nahmen Werke (nach Absprache) sogar mit nach Hause, um sie in wechselndem Licht und in unterschiedlichen Stimmungen zu erleben. Valentien betont den Unterschied zwischen Abbildung und Original – und formuliert es pointiert: „Kunst ist für mich Nahrung.“
Es lesen: Jürgen Seibold, Niko Mahle, Ines Witka, Kris Brynn, Ute Bareiss.